Die Kunst der kleinen Schritte
Ich bitte nicht um Wunder und Visionen
Ein Gebet von Antoine de Saint Exupery
Ich bitte nicht um Wunder und Visionen, Herr, sondern um Kraft für den Alltag. Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte: Mach mich sensibel in der richtigen Zeiteinteilung. Schenke mir das Fingerspitzengefühl, um herauszufinden, was erstrangig und was zweitrangig ist. Lass mich erkennen, dass Träume nicht weiterhelfen, weder über die Vergangenheit noch über die Zukunft. Hilf mir, das Nächste so gut wie möglich zu tun und die jetzige Stunde als die wichtigste zu erkennen. Bewahre mich vor dem naiven Glauben, es müsste im Leben alles glatt gehen. Schenke mir dir nüchterne Erkenntnis, dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge, Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen. Erinnere mich daran, dass das Herz oft gegen den Verstand streikt. Schick mir im rechten Augenblick jemanden, der den Mut hat, mir die Wahrheit in Liebe zu sagen. Ich weiss, dass sich viele Probleme nur langsam lösen. Gib, dass ich warten kann. Verleihe mir die nötige Fantasie, im rechten Augenblick ein Päckchen Güte, mit oder Ohne Worte, an der richtigen Stelle abzugeben. Bewahre mich vor der Angst, ich könnte das Leben versäumen. Gib mir nicht, was ich mir wünsche, sondern was ich brauche. Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte!
Wahrhaftige Worte von einem sehr geduldigen Menschen.
Antoine de Saint Exupery
Es liegt in Deiner Hand
Es war einmal ein Sultan, der grollte einem weisen Alten, weil ihn das Volk grenzenlos verehrte und bei jeder Gelegenheit um seinen Rat fragte. So manche Nacht saß er deshalb wach und grübelte, wie er den weisen Mann vor dem ganzen Volk in Verlegenheit bringen könnte um damit seinem Ruf zu schaden.
Endlich kam ihm eine Idee. Er rief sein ganzes Gefolge zusammen und ließ den weisen Mann zu sich kommen als der vor ihm stand, sagte der Sultan zu ihm: Oh Weisester aller Sterblichen, ich will Dir eine Frage stellen: zwischen meinen Händen gefangen ist ein winziger kleiner Vogel Sag mir, ist er tot oder lebendig?” Der weise Mann durchschaute sofort die List des Sultans. Er wusste, würde er “lebendig” sagen, würde der Sultan die Hände zusammenpressen und das Tier töten. Wenn er aber “tot” sagte, würde er die Hand öffnen und den Vogel freilassen. In beiden Fällen wäre sein Ruf verloren. Der Sultan bemerkte sein Überlegen und drängte: “Gib Antwort! Du weißt doch immer alles. Ist er tot oder lebendig?” da antwortete der weise Mann langsam: “Es liegt ganz in Deiner Hand, verehrter Sultan. Es liegt ganz in Deiner Hand.”
Wieviel Erde benötigt ein Mensch?
Es war einmal ein armer Bauer, der kaum das Nötigste zum Leben hatte. Ein reicher Großgrundbesitzer hatte deshalb Mitleid mit ihm und sagte:
Ich schenke dir Land, und zwar so viel, wie du in der Zeitspanne zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang zu schreiten kannst. Die einzige Bedingung: Du musst, wenn die Sonne untergeht, genau wieder an dem Punkt angekommen sein, an dem du morgens aufgebrochen bist.”
Zunächst ist der arme Bauer überglücklich, weil er bei weitem nicht den ganzen Tag brauchen wird, um so viel Land zu um-wandern, wie er zu einem reichlichen Lebensunterhalt braucht. So geht er frohen Mutes los, ohne Hast, mit ruhigem Schritt.
Doch dann kommt ihm ein Gedanke: warum willst du diese einmalige Chance nicht auszunutzen, um so viel Boden wie nur eben möglich zu gewinnen. Er malt sich aus, was er alles mit dem hinzugewonnenen Reichtum anfangen wird. Sei Schritt wird schneller, allerdings orientiert er sich ständig an Stand der Sonne, um nur ja nicht den Zeitpunkt zur Rückkehr zu verpassen. Er geht in einem großen Kreis weiter, um noch mehr Land zu erhalten. Dort will er noch einen Teich hinzu-bekommen, hier ein besonders saftige Wiese und da wiederum ein kleines Wäldchen. Sein Schritt wird hastig, sein Atem wird zum Keuchen, sein Herz jagt, der Schweiß tritt ihm auf die Stirn.
Endlich, mit letzter Kraft und mit dem letzten Strahl der untergehenden Sonne erreicht er den Ausgangspunkt. Ein riesiges Stück Land gehört ihm – doch da bricht er vor Erschöpfung zusammen und stirbt.
Es bleibt ihm jenes winzige Stück Erde, in dem er beerdigt wird.
Mehr braucht er jetzt nicht mehr.
Der Bettler und der Wohlhabende
Abdul Rahman, der Reich kam jeden Morgen, wenn er in die Moschee ging, an einem Bettler vorbei. Dieser verneigte sich jedes mal tief vor ihm, küsste seinen edelsteinbesetzten Rocksaum und rief etliche Male: “Ich danke Dir, ich danke Dir.” Abdul Rahman wunderte sich und fragte schließlich den Bettler: “Sag mir, warum dankst Du eigentlich immer? Ich habe Dir doch gar kein Bakschisch gegeben?” Der Bettler gab ihm zur Antwort: “Habe ich nicht Ursache, Dir zu danken? Du bist der Wächter Deiner Juwelen, ich aber bin der Genießer.”
Was möchte uns diese Geschichte näher bringen und was ist die Botschaft?
Erkenntnis
Ich weiß,
dass Positives sehr schnell
zur Selbstverständlichkeit wird.
Ich weiß,
dass der einseitige Vergleich mit
dem Besseren das Positive verschlechtert.
Ich weiß,
dass ich Kraft im Lachen finde.
Ich weiß,
dass mir meine Arbeit viel bedeutet
und ein wichtiger Teil meines Lebens ist.
Ich weiß,
dass jede Begegnung mit anderem Menschen
für mich eine Bereicherung ist.
Ich weiß,
dass ich keine Schwierigkeiten habe,
das Negative zu sehen, ich mir aber Mühe geben muss,
das Positive nicht zu übersehen.
Ich weiß,
dass eine positive Lebenseinstellung
mir alles erleichtert.Author:Unbekannt
Gott urteilt nach anderen Maßstäben
Der Erntehelfer Abdulrahman hatte seinem Herrn, dem Großbauern Hakim der dem Sultan von Bagdad unterstand, treu und redlich gedient. Schon mit 15 Jahren war er als Vollwaise zu ihm ins Haus gekommen. Abdu, so nannte man ihn, war immer der erste, wenn es ans Aufstehen ging, er holte Holz aus dem Schuppen, machte Feuer und kochte die Brennsuppe, das tägliche Frühstück, für die Familie. Beim Melken, beim Heumachen, beim Waschen, beim Putzen der Stube war er von früh bis abends dabei. Seine kräftigen Arme schafften unermüdlich. Und wenn er abends in seiner kleinen, kalten Kammer zurück kehrte betete er. Es war ein hartes Los für Abdulrahman, er schuftete von früh bis in die tiefe Nacht. Und so vergingen die Tage, die Wochen, die Monate von Abdulrahman.
Said, der Sohn des reichen Großwesirs, war jung und brauchte nicht auf dem Feld zu arbeiten. Ja, sogar einen Sklaven hatte Said der ihm all die lasten abnahm. Said ärgerte es sehr, das Abdulrahman nie zur Moschee kam, und auch kam er nicht zu den religiösen Festen. Said war völlig erzürnt und ermahnte Abdulrahman mit jedem gesprochenen Wort. “Was wird Gott sagen, wenn du das Zeitliche segnest und vor seinem Thron stehst?”, meinte er.
“Ich werde ihm meine Hände zeigen!”, sagte Abdulrahman.
Danke an Tarek für diese schöne Geschichte. Herkunft und Wahrheitsgehalt kann ich leider nicht ermitteln. Trotzdem sollte man nicht vergessen, dass das Gemeinschaftsgebet für die Muslime was ganz besonderes ist. Was sagt ihr zu dieser Geschichte?
Das Gerücht
Es war einmal eine Stadt, die aus zwei parallel laufenden Straßen bestand. Ein Derwisch ging von der einen Straße in die andere hinüber, und als er dort ankam, sahen die Leute, dass er Ströme von Tränen vergoss. Da rief einer: “In der anderen Straße muss irgend jemand gestorben sein!” Die Nachricht pflanzte sich in Windeseile in der ganzen Straße fort. Was aber hatte sich tatsächlich ereignet? Der Derwisch hatte Zwiebeln geschält. Kurze Zeit danach hatte das Geschrei auch die andere Straße erreicht, und ihre Bewohner waren so betrübt, dass sie nach der Ursache für all die Aufregung nicht zu fragen wagten. Ein weiser Mann versuchte, den Leuten der beiden Straßen vernünftig zuzureden, und der fragte: “Warum sprecht ihr denn nicht miteinander ?” Sie aber waren so verwirrt, dass sie selber nicht mehr wussten, was sie sagten. Einige meinten: Nach allem, was wir wissen, ist in der anderen Staße eine furchtbare Seuche ausgebrochen.” Auch dieses Gerücht verbreitete sich wie ein Lauffeuer. so kam es, dass beide Völker, um sich zu retten, auswanderten. Heute, viele hundert Jahre später ist die Stadt noch immer verlassen.
Deshalb liebe Muslime, wenn jemand zu euch kommt und euch mitteilt, dass der und der, das und das über euch gesagt hat, dann lehnt das ab, was er euch erzählt und verbietet ihm, solche Nachrichten zu verbreiten. Erinnere ihn an die Aussage des Propheten – möge Allah ihn loben und Heil schenken – der gesagt hat: „Ein Verbreiter von üblen Nachreden wird nicht ins Paradies kommen!“ [al-Buchārī und Muşlim].
Wir suchen Zuflucht bei Allah vor der üblen Nachrede und vor denen, die sie verbreiten.

